August 2003

Die beiden Tiere


„Ich komm ganz langsam über dich

Ich komm ganz langsam über dich
so als hättest
im Traum ein Picknick.
Es werden keine Ameisen dasein.
Es wird nicht regnen.“

 

Richard Brautigan

Buesche_und_Haeuser_klein.jpg

Häuser und Büsche 2004 Öl / Tusche auf
Nessel 200 x 165 cm

Seit ihren Reisen nach Paris und New York ist zunehmend die Großstadt Thema in Katharina Ismers Arbeiten geworden. Hatte früher die Natur ihre Bilder dominiert, so hetzt sie nun diese beiden Tiere aufeinander. Doch ist dies kein wilder Kampf, es ist ein ruhiges, ehrliches Kräftemessen.

In „Große Eiche" (165 x 200 cm, 2004) bildet ein vielfarbiges Raster aus verschieden breiten Streben den Grund. Auf diesem Raster erstrecken sich spielerische Linien und Flächen, die ebenfalls miteinander in Verbindung zu treten scheinen. Auf dieser zweiten Ebene herrschen die warmen Töne vor. Wir finden hauptsächlich ein Braun; dann noch Abwandlungen von rostrot bis grün. Der Untergrund, die erste Ebene beinhaltet Farben wie rosa, blau,
türkis...

Dieser Untergrund, der sich  sehr flächig präsentiert, erweckt doch den Anschein einer Häuserfassade, riesige Hochhäuser, die sich über das Bild erstrecken. Die amorphen Formen, die sich darauf breit machen, lassen sich aber nicht einschüchtern; fröhlich verästeln sich die Linien in alle Richtungen und erzeugen so den Anschein von Tiefe.

Der Titel deutet daraufhin, dass hier eine Eiche dargestellt ist. Die Stärke, die man diesem Baum zuordnet, wird dem Betrachter in diesem Bild demonstriert. Wir schauen in die Lebendigkeit des Baumes und ehe wir uns versehen, ist diese Stadt hinter ihm verschwunden.

„Büsche und Häuser“, 2004 irritiert auf den ersten Blick. Ist es denn auch Richtig herum? Da stehen diese monumentalen Quader auf den filigranen Linien, die auch nur zu schweben scheinen. Aber es ist ein Spiel; der untere Teil der Häuserfronten ist nur verdeckt von den Sträuchern und Bäumen und erstreckt sich über die Elemente der Natur hinaus. Diese Begegnung wirkt freundlich, denn die Fassaden haben die Farbigkeit der Äste angenommen; sie sind grün und braun. Die obere und die untere Bildhälfte treffen sich genau in der Mitte; das Kräfteverhältnis ist ausgeglichen. Die Gegensätze scheinen fast ineinander überzugehen. Es ist als würde die Stadt mit ihren Bäumen schlafen.

 

Petra Lehmkuhl